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Eintauchen in die Sprache: Die Kraft der Immersion

Das Erlernen einer neuen Sprache kann eine herausfordernde, aber auch unglaublich bereichernde Erfahrung sein. Die meisten von uns haben in der Schule mindestens eine Fremdsprache gelernt. Oder besser ausgedrückt: „gelehrt bekommen“. Denn ob das „Gelehrte“ auch als gelernt in unserem Gehirn hängen bleibt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. 

Immersion ist eine effektive und praktische Methode des Spracherwerbs. Sie ist keine eigenständige Methode im eigentlichen Sinne, sondern eine Kombination verschiedener Methoden, um den größtmöglichen Lernerfolg zu erzielen.

Die Idee dahinter ist, sich möglichst umfassend (sowohl zeitlich, als auch inhaltlich) mit dem Französischen zu beschäftigen – also sozusagen den Sprung wagen und vollkommen in die Sprache eintauchen.

 


Meine eigenen Erfahrungen

Aus persönlicher Erfahrung kann ich folgendes berichten: 5 Jahre Französischunterricht und ich habe den Unterricht, die Sprache und den Lehrer verabscheut. Ich war nicht motiviert, sah keinen Sinn darin, diese Sprache zu lernen und hatte das Gefühl, dass der ganze Unterricht nur aus dem Pauken von Grammatikregeln (zu jeder Regel gab es mindestens eine Ausnahme) und ellenlangen, zusammenhanglosen Vokabellisten bestand. Was war ich froh, als diese 5 Jahre endlich zu Ende waren! Was folgte, war eine sehr lange Pause in meinem Französischlernprozess. Eigentlich hatte ich mit dieser Sprache schon abgeschlossen und widmete mich dem Spanischlernen. Intrinsisch motiviert, weil ich diese Sprache lernen wollte und weil ich meinen Lernprozess völlig frei gestalten konnte.

Die Jahre vergingen und irgendwann war meine Tochter „dran“. Sie musste sich für eine zweite Fremdsprache entscheiden, und an ihrer Schule war die Auswahl nicht sehr groß – im Grunde gab es gar keine Wahlmöglichkeit, sie musste Französisch lernen. Um sie dabei ein wenig zu unterstützen, begann ich, mit ihr gemeinsam zu lernen. Ein paar Monate später hatte sie sich dann doch für eine andere Schulform entschieden, und da stand ich nun – meine rudimentären Kenntnisse ein wenig aufgefrischt und irgendwie war Französisch ja doch ganz nett… So begann mein zweiter Anlauf zum Erlernen der Sprache – dieses Mal aus eigener Motivation heraus.


Ein holpriger zweiter Start

Jetzt konnte ich meine Methoden selbst wählen. Kein endloses Pauken von Vokabellisten ohne Kontext, kein stures Lernen von Grammatikthemen. Aber was war die richtige Methode?

Zunächst deckte ich mich, weil ich es aus der Schule nicht anders kannte, mit diversen Lehrbüchern für Selbstlerner ein. Nach und nach konnte ich beim Lesen immer mehr verstehen, aber sprechen – Fehlanzeige. Ein Kurs an der VHS erschien mir zu spießig (da gehen nur Rentner hin, war damals meine Meinung). Eine richtige Sprachschule konnte ich mir nicht leisten.


Auf dem Weg zum immersiven Lernen

Ich begann im Internet zu recherchieren. „Wie lerne ich am schnellsten eine Sprache?“ Viele Suchergebnisse – viele verschiedene Tipps und Methoden. Natürlich alle mit dem Anspruch, DIE beste Methode zu sein. Ich war mehr verwirrt, als dass ich neue Erkenntnisse gewonnen hätte. Aber immer wieder las ich das Wort „Immersion“. Ich hatte noch nie davon gehört und war neugierig, was man darunter versteht und vor allem, was das Ganze mit meinem Französischlernen zu tun hat.
Und was soll ich sagen? Es war der Gamechanger in meinem Lernprozess. Die Lehrbücher mussten nicht aus meinem Bücherregal verschwinden, sondern wurden durch verschiedene andere Lernmethoden ergänzt. Doch dazu später mehr, zunächst möchte ich dir einen Einblick in diese besonders effektive Methode des Sprachenlernens geben.
In diesem Blogpost werde ich zunächst auf den Begriff „Immersion“ eingehen und dir zeigen, warum diese Methode beim Französischlernen so effektiv ist. Natürlich gibt es auch praktische Tipps, die sich leicht in deinen Alltag integrieren lassen. Denn auch diejenigen, die nur wenig Zeit für das Sprachenlernen aufbringen können (sei es aufgrund eines Vollzeitjobs, eigener Kinder, …), werden mit dieser Methode Fortschritte machen. C’est parti!

Was bedeutet Immersion?

Immersion, abgeleitet vom lateinischen „immersio“, bedeutet „Eintauchen“. In Bezug auf das Sprachenlernen bezieht sich Immersion auf das vollständige Eintauchen in die Zielsprache, in unserem Fall Französisch. Als Lernende umgeben wir uns mit der Sprache und wenden sie in alltäglichen Kontexten an, wie z.B:

  • Nutzung französischsprachiger Medien (Filme, Serien, Bücher, Musik, Podcasts)
  • Kommunikation mit Muttersprachlern (wie man sie findet, erfährst du in diesem Artikel)
  • Teilnahme an sprachlichen und kulturellen Aktivitäten in Französisch
  • Urlaub oder Aufenthalt in einem französischsprachigen Land

 

Gründe für Immersion beim Französischlernen

Natürlicher Lernprozess

Mich fasziniert immer wieder, wie schnell Kinder eine neue Sprache lernen, wenn sie zum Beispiel aus einem anderen Land zu uns nach Deutschland kommen. Immersion ahmt diesen natürlichen Sprachlernprozess nach, den jeder von uns als Kind durchlaufen hat. Wir lernen durch Hören, Sprechen, Lesen und (ab dem Schulalter auch) Schreiben – und zwar in einem Kontext, der dem Gelernten Bedeutung verleiht. Durch Immersion werden grammatikalische Strukturen und Vokabeln ganz natürlich und intuitiv aufgenommen, z.B. indem bestimmte Satzstrukturen wie Fragen immer und immer wieder gehört und wiederholt werden.

Stärkere Verankerung im Gedächtnis

Durch die ständige Beschäftigung mit der französischen Sprache (aktiv und vor allem auch passiv) wird das Gelernte tiefer im Gedächtnis verankert. Durch wiederholtes Hören und Anwenden von Vokabeln und Ausdrücken in verschiedenen Kontexten prägen wir uns diese besser ein. Man denke nur an den Vater, der seinem Kind beim Spaziergang alles benennt, worauf es zeigt. Sie kommen immer wieder an Hunden, Bäumen und Autos vorbei, das Kind versteht zunächst passiv die Bedeutung dieser Dinge und kann sie irgendwann selbst sprachlich ausdrücken.

Verbesserung der Aussprache und des Hörverstehens

Der regelmäßige Kontakt mit der gesprochenen Sprache hilft, das Hörverstehen und die Aussprache zu verbessern. Das ist besonders wichtig, wenn man Französisch lernt, denn das Geschriebene unterscheidet sich oft sehr vom Gesprochenen. Lass dir einen französischen Text von jemandem vorlesen, der überhaupt kein Französisch kann, dann weißt du, was ich meine. Durch das Hören von Podcasts, YouTube-Videos, französischer Musik usw. gewöhnt man sich an die Klangmelodie, die Betonung und die Aussprachevarianten der französischen Sprache.

Kulturelles Verständnis

Die Immersion geht oft mit einem kulturellen Eintauchen einher. Mit dem Verständnis der französischen Kultur vertieft sich auch dein Verständnis der Sprache und die Fähigkeit, situationsgerecht zu kommunizieren. Insbesondere Redewendungen, kulturelle Anspielungen und der Humor der Sprache werden durch die Immersion leichter verständlich. Du unterhältst dich mit einem Franzosen, suchst noch nach den richtigen Worten und plötzlich fragt dich dein Gesprächspartner, ob du deine Zunge der Katze gegeben hast. Hä? Welcher Katze… Dabei wollte er nur wissen, ob es dir die Sprache verschlagen hat.. Du willst noch mehr solcher Ausdrücke kennenlernen? Hier habe ich ein paar gängige Redewendungen für dich zusammengestellt.

Motivation und Engagement

Immersives Lernen kann sehr motivierend sein, vor allem durch die verschiedenen Methoden je nach Situation und Stimmung und den Wechsel zwischen passiven (z.B. Podcasts hören) und aktiven Lerneinheiten (z.B. mit einem Muttersprachler sprechen). Schon bald wirst du erste Fortschritte machen, was natürlich dein Selbstvertrauen und deine Motivation zum Weiterlernen steigert. Du wirst merken, dass du die Sprache nicht nur lernst, sondern auch lebst. Mir passiert es zum Beispiel manchmal, dass mir in einer Situation spontan zuerst der französische Ausdruck oder das französische Wort einfällt und dann erst der deutsche Begriff. Das kann bei meinem Gegenüber schon mal zu Verwirrung führen, wenn ich plötzlich „Mince alors!“ rufe.

9 Praktische Tipps wie auch du Immersion für dich nutzen kannst

Jetzt weißt du, was sich hinter dem Konzept der Immersion verbirgt und warum es dir beim Lernen helfen kann. Na, neugierig geworden? Du möchtest das Konzept auch ausprobieren, weißt aber noch nicht genau, wo du anfangen sollst? Kein Problem! Hier sind ein paar erste Ideen, die sich leicht umsetzen lassen und dein Französisch auf ein neues Niveau heben.

Französisch hören & sehen

Schaue dir französische Filme und Serien an, mit oder ohne Untertitel (wenn, dann auf Französisch). Stehst du noch am Anfang deines Lernprozesses? Dann könnten dich Filme allerdings eher demotivieren, da oft sehr schnell und umgangssprachlich gesprochen wird. In diesem Fall sind spezielle YouTube-Videos für Französischlernende besser geeignet. Eine kleine Auswahl meiner Lieblingsvlogs auf YouTube findest du hier. Oder wie wäre es mit französischer Musik, Podcasts oder (Online-)Radiosendern? Diese Aktivitäten eignen sich auch hervorragend für die berühmt-berüchtigten „temps mort“, also zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit oder zur Uni, beim Warten an der Kasse oder während du den Staubwedel schwingst.

Frau hört Podcast
Frau liest im Park

Lies mal wieder 

Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Blogs auf Französisch. Beginne mit einfachen Texten und erhöhe den Schwierigkeitsgrad nach und nach. Wie wäre es, mit Kinderbüchern oder Comics zu beginnen? Nimm dir jeden Abend ein paar Minuten Zeit zum Lesen, vielleicht als Teil deiner Abendroutine.

Spracheinstellungen deiner Geräte

Du kannst auch deine Geräte (Smartphone, Computer etc.) auf Französisch einstellen. Das zwingt dich, alltägliche Begriffe und Redewendungen zu lernen. Mein Tipp: Merke dir, wo du die Spracheinstellungen gefunden hast. Sonst bist du am Ende mit den vielen neuen Wörtern überfordert und findest den Weg zurück zu den Spracheinstellungen nicht mehr.

Frau hat Handy in der Hand
Zwei Menschen lernen gemeinsam

Such dir einen Sprachpartner

Suche dir Tandempartner, idealerweise Muttersprachler, mit denen du regelmäßig Französisch sprechen kannst. Wenn du auf dem Land wohnst, ist die Auswahl vor Ort wahrscheinlich eher gering. Hier bieten Online-Plattformen eine gute Alternative. Ein wöchentliches Telefon- oder Videogespräch lässt sich auch leichter in einen vollen Terminkalender einbauen. Du möchtest es etwas professioneller angehen (vielleicht weil dein Umzug nach Frankreich näher rückt) und bist bereit, auch Geld zu investieren? Dann kannst du Online-Unterricht bei deinem persönlichen Sprachlehrer buchen. Eine Übersicht der Anbieter findest du in diesem Post.

Besuche Kurse und Workshops

Jahrelang dachte ich, Sprachkurse an der VHS seien nur etwas für weißhaarige Rentner, die Gesellschaft suchen. Aber weit gefehlt! Seit über drei Jahren besuche ich nun einen VHS-Kurs für Fortgeschrittene und was soll ich sagen – ich bin begeistert und freue mich jeden Montag auf meine quirlige Französischlehrerin und die anderen Teilnehmer! Schau doch mal, welche Kurse in deiner Nähe angeboten werden. Natürlich gibt es auch Sprachschulen, aber die sind oft viel teurer, bieten aber vielleicht auch Kurse an, die öfter als einmal die Woche stattfinden. Auch das Online-Angebot ist mittlerweile riesig! Diese haben den Vorteil, dass du meist zeitlich viel flexibler an den Kursen teilnehmen kannst. Hier musst du für dich selbst schauen, was dir wichtig ist (z.B. der persönliche Kontakt vor Ort) und was am besten zu deiner aktuellen Lebenssituation passt (z.B. die Flexibilität von Online-Kursen).

Frau vor Online-Kurs am Laptop
Mutter und Kind schauen Buch an

Deine Kinder einbeziehen

Du hast Kinder? Dann stecke sie mit deiner Motivation an und beziehe sie aktiv in das Lernen ein. Wie wäre es, wenn ihr euch immer auf Französisch begrüßt oder verabschiedet oder bei Tisch „Bon appetit“ statt „Guten Appetit“ sagt? Schaut euch gemeinsam französische Zeichentrickfilme an oder lies deinen Kindern französische Kinderbücher vor. Sowohl du als auch deine Kinder werden von diesem gemeinsamen Eintauchen in die französische Sprache profitieren!

Werde zum Chef de Cuisine

Frankreich wird vor allem mit gutem Essen in Verbindung gebracht. Was hältst du davon, selbst einmal in die Rolle eines französischen Spitzenkochs zu schlüpfen und deine Lieblingsgerichte (oder auch ganz unbekannte Gerichte) nach original französischen Rezepten zuzubereiten? Lies die Rezepte auf Französisch und lerne dabei neue Vokabeln. Ist das nicht eine genussvolle und praktische Art, deine Sprachkenntnisse zu verbessern? Inspirationen findest du zum Beispiel auf der Website von Meilleur du Chef.

französischer Flammkuchen
Post it klebt auf Laptop

Beschrifte deinen Alltag

Gerade wenn du noch am Anfang deines Lernprozesses stehst, kann es hilfreich sein, deine Alltagsgegenstände auf Französisch zu beschriften. So lernst du ganz nebenbei neue Wörter und vertiefst sie durch Wiederholung. Am besten benennst du den Gegenstand jedes Mal, wenn du ihn brauchst, laut auf Französisch, so verankern sich die Vokabeln besser in deinem Gedächtnis. Du möchtest mehr aus dieser Methode herausholen? Dann begleite deine Handlungen mit diesen Gegenständen sprachlich. Sag also nicht nur „la porte“, wenn du eine Tür öffnest, sondern „J’ouvre la porte“ oder „Je dois ouvrir cette porte pour entrer dans la salle de bain“.

Nutze Sprachlern-Apps

Wenn du noch am Anfang deiner Lernreise stehst, können dir auch Sprachlern-Apps wie Duolingo, Babbel oder Memrise dabei helfen, einen Grundwortschatz aufzubauen. Die kurzen, interaktiven Lektionen lassen sich gut in den Alltag integrieren. Aber Vorsicht: Als alleinige Methode kann ich sie dir nicht empfehlen. Zu wenig Übungsmöglichkeiten, kaum Sprachanreize (höchstens das Nachsprechen von Wörtern und kurzen Sätzen) und oft nur künstliche Stimmen statt echter Muttersprachler. Aber als eine von vielen Methoden auf jeden Fall empfehlenswert. Ich habe für dich eine umfangreiche Übersicht erstellt, welche Sprachlern-Apps es speziell für Französisch gibt und diese mit einer kurzen Info und Bewertung versehen. Dies soll dir helfen, dich nicht im Dschungel der Sprachlern-Apps zu verlieren. Es gibt auch KI-gestützte Apps, die das Sprachenlernen unterstützen können. Du willst mehr darüber erfahren? Schau dir meinen Blogpost dazu an.

Man sitzt und schaut aufs Handy

Fazit

Wie du schon an der Länge meines Blogbeitrags erkennen kannst, ist die Immersion eine sehr umfangreiche Methodik im Bereich des Sprachenlernens, die durch ihre Vielfalt für alle Lernenden geeignet ist. Immersion ermöglicht es dir, in die Sprache und Kultur einzutauchen, da du dich mit ihr umgibst, vor allem in deinem Alltag. Lernen durch Eintauchen in die Sprache ist viel natürlicher, intensiver und nachhaltiger als das, was wir z.B. aus der Schule kennen. Probiere es aus! Du wirst schnell merken, dass du mit dieser effektiven Lernform viel schneller Fortschritte machen wirst, und das nicht nur einseitig (z.B. auf das geschriebene Wort konzentriert), sondern vielschichtig in allen Bereichen des Spracherwerbs. Selbst wenn du nicht die Möglichkeit hast, in ein französischsprachiges Land zu reisen, gibt es zahlreiche Gelegenheiten, Immersion in deinen Alltag zu integrieren. Warum also warten? Tauche ein in die Welt des Französischen und entdecke die Vorzüge des immersiven Lernens!

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